Erst mehr Personal, dann längere Betreuungszeiten in Kitas und Krippen!
Jetzt für planbare Betreuungszeiten ohne ständige Notfälle unterschreiben. Für uns gilt: Erst muss das Personal vorhanden sein, um dann in allen Kitas und Krippen die Betreuungszeiten zu verlängern.
Worum geht es?
Die neue politische Kooperation aus CDU, ALW-Grüne und FDP möchte die Kitabetreuungszeiten an drei städtischen Kitas erweitern und hat hierzu einen Antrag gestellt. Der Antrag sieht außerdem vor, dass an einer der drei Kitas auch ein Angebot für Krippenkinder enthalten soll und das Konzept ab Anfang 2027, spätestens aber ab August 2027 greifen soll.
Das Problem: Das Personal reicht nicht aus
Wir verstehen den Wunsch einiger Eltern nach längeren Betreuungszeiten. Aber genau deshalb braucht es eine Lösung, die funktioniert. Ohne zusätzliches Personal wird aus einem guten Wunsch ein schlechtes Konzept mit mehr Notfallbetreuung, höheren Krankheitsständen und mehr Ausfällen insgesamt.
Hintergrund
Bis Ende 2024 hatte Weiterstadt Betreuungszeiten von 7 bis 17 Uhr maximal. Durch den massiven Fachkräftemangel beim Erziehungspersonal können aber seit Jahren nicht alle Planstellen besetzt werden. Dadurch kam es in der Vergangenheit immer häufiger zu Notfallbetreuungen und Schließungen, von dem alle Eltern einer Kita betroffen waren. Auch der Krankenstand war sehr hoch. Die Verwaltung schlug im Jahr 2024 deshalb vor, die Betreuungszeiten etwas zu reduzieren, um nach hinten Druck aus dem System zu nehmen und es zu stabiliseren. Seit dem 2025 sind die Betreuungszeiten also um eine Stunde reduziert worden von 7 bis 16 Uhr und freitags bis 15.30 Uhr. Dadurch sollen die Teams entlastet werden, im Gegenzug wurden die Zeitmodelle flexibilsiert und erweitert. Die Reduktion der Betreeungszeiten betrifft etwas weniger als 10% der Eltern, die diese Modelle (bis 17 Uhr) in Anspruch nahmen. Bundesweit fehlen rund 100.000 Erzieherinnen und Erzieher. Bevölkerungsstarke Regionen wie das Rhein-Main-Gebiet sind hiervon besonders betroffen.
1. Längere Betreuungszeiten ohne mehr Personal sind Augenwischerei
Der Wunsch einiger Eltern nach längeren Betreuungszeiten ist verständlich. Aber Öffnungszeiten auf dem Papier betreuen kein einziges Kind. Wenn das Personal schon heute knapp ist, führen zusätzliche Stunden nicht automatisch zu besserer Betreuung, sondern zu noch mehr Druck auf die vorhandenen Teams. Deshalb gilt: Erst mehr Personal, dann längere Betreuungszeiten.
2. Wer mehr Betreuung will, muss zuerst sagen, wer sie leisten soll
Der zentrale Fehler am Vorschlag von CDU, ALW-Grüne und FDP ist: Er beginnt beim Ergebnis, nicht bei den Voraussetzungen. Längere Öffnungszeiten bedeuten mehr Frühdienste, mehr Spätdienste, kompliziertere Dienstpläne, mehr Vertretungsbedarf und zusätzliche Belastung bei Krankheit oder Ausfällen. Ohne einen belastbaren Personalplan ist das kein Konzept, sondern ein politischer Wunschzettel.
3. Drei Schwerpunkt-Kitas schaffen Konkurrenz im eigenen System
Wenn nur drei Kitas längere Öffnungszeiten anbieten, entsteht ein Ungleichgewicht in der gesamten Kita-Landschaft. Eininge Eltern werden versuchen, genau diese Einrichtungen zu bekommen. Gleichzeitig werden viele Beschäftigte eher Kitas meiden, in denen ungünstigere Dienstzeiten drohen. So konkurrieren die städtischen Kitas plötzlich untereinander um Personal, Plätze und Attraktivität. Das schwächt nicht einzelne Einrichtungen, sondern das ganze System.
4. Das Modell schafft eine Zwei-Klassen-Kita-Landschaft
Einige Kitas würden als besonders attraktiv gelten, andere als zweite Wahl. Das ist unfair gegenüber den Teams, den Eltern und den Kindern in den übrigen Einrichtungen. Gute Kita-Politik darf nicht drei Standorte herausheben und den Rest indirekt abwerten. Weiterstadt braucht eine Stärkung aller Kitas, kein politisch geschaffenes Ranking.
5. Kinder sind keine Verschiebemasse - Eingewöhnung ist kein Verwaltungsakt
Ein Kita-Platz ist für ein Kind nicht einfach ein austauschbarer Betreuungsort. Kinder bauen Bindungen zu Erzieherinnen, Erziehern, anderen Kindern, Räumen und Abläufen auf. Wer längere Zeiten nur in einzelnen Kitas anbietet, setzt Familien faktisch unter Druck, die Einrichtung zu wechseln. Ein Kita-Wechsel bedeutet für Kinder neue Bezugspersonen, neue Gruppen, neue Abläufe und oft eine neue Eingewöhnung. Das ist kein kleiner organisatorischer Schritt, sondern ein echter Einschnitt. Familien brauchen nicht irgendeinen Platz irgendwo in der Stadt, sondern verlässliche Betreuung dort, wo das Kind angekommen ist.
6. Längere Betreuungszeiten ohne mehr Personal erhöhen das Risiko von Notfallplänen für alle!
Wenn der Betreuungsschlüssel an einem Tag nicht mehr gewährleistet werden kann, also zu wenig Personal vorhanden ist, werden sogenannte Notfallpläne aktiviert. Dann müssen zum Beispiel Eltern, die die Möglichkeit dazu haben, ihre Kinder früher von der Kita abholen oder dürfen sie erst gar nicht in die Kita bringen. In der Vergangenheit gab es in vielen Kitas regelmäßig Notfallpläne, besonders in der Winterzeit, wenn der Krankenstand höher ist.
7. Familien brauchen Verlässlichkeit, keine Scheinlösung
Eltern ist nicht geholfen, wenn längere Zeiten beschlossen werden, die anschließend wegen Personalmangel, Krankheit oder Überlastung nicht stabil gehalten werden können. Das erzeugt Erwartungen, die im Alltag enttäuscht werden. Gute Familienpolitik verspricht nicht möglichst viel, sondern organisiert das, was zuverlässig funktioniert.
8. Weiterstadt hat schon jetzt relativ lange Betreuungszeiten
Die Weiterstädter Satzung kennt bereits Betreuungsmodelle bis 16.00 Uhr. Zusätzlich können zu bestimmten Angeboten weitere Stunden im Rahmen von 7.00 bis 16.00 Uhr zugekauft werden. Das Problem ist also nicht, dass längere Zeiten politisch völlig undenkbar wären. Das Problem ist die personelle und organisatorische Realität.
9. Der Blick in umliegende Kommunen zeigt, wie ernst die Lage ist
Während CDU, ALW und FDP in Weiterstadt längere Öffnungszeiten in Aussicht stellen, zeigt Groß-Gerau die andere Seite der Realität: Dort wurden beziehungsweise werden kommunale Kita-Zeiten auf 7.00 bis 14.30 Uhr ausgerichtet; auf der städtischen Seite wird etwa für die Kita Steinstraße eine Öffnungszeit von 7.00 bis 14.30 Uhr angegeben. Das ist ein klares Warnsignal: Andere Kommunen kämpfen so stark mit Personal und Organisation, dass längere Nachmittagsbetreuung nicht einfach beliebig ausgedehnt werden kann.
10. Das Konzept ist unausgegoren und setzt am falschen Ende an
Vor einer Ausweitung müssten zuerst die entscheidenden Fragen beantwortet werden: Woher kommt das zusätzliche Personal? Wie werden Dienstpläne gestaltet? Was passiert bei Krankheit? Wie werden Qualität und Kindeswohl gesichert? Welche Folgen hat das für die übrigen Kitas? Wie wird verhindert, dass Eltern und Beschäftigte gegeneinander ausgespielt werden? Solange diese Fragen offen sind, ist der Antrag kein tragfähiger Ausbau, sondern ein Schnellschuss.
Jetzt gegen die Pläne unterschreiben!
Warum Unterschriften sammeln?
Wir sammeln Unterschriften gegen die Pläne der Kooperation, weil wir damit den Unmut vieler Menschen zum Ausdruck bringen wollen. Wie oben schon erwähnt, wollen wir selbst längere Betreuungszeiten, aber nicht auf Kosten des Personals und der Stabilität des Systems. Wir brauchen den Druck von unten, damit klar wird: Wir wollen Stabilität statt Experimente. Die Unterschriften werden an die Stadtverordnetenversammlung übergeben.
Wie Sie uns unterstützen können?
- Tragen Sie sich in die Unterschriftenliste ein.
- Leiten Sie den Link zu dieser Website an Menschen aus unserer Stadt weiter, damit diese auch unterschreiben.
- Kommen Sie zu den Sitzungen, wenn das Thema beraten wird.
- Ausschusssitzung am 15.6.2026 um 19 Uhr
Weitere Hintergründe zum Thema:
- Aktuelle Satzung inkl. der Betreuungsmodelle: https://www.weiterstadt.de/_media/downloads/oeffentliche-bekanntmachung/Kita_Benutzungssatzung.pdf
- Link zur Stadtverordnentenversammlung https://buergerinfo.weiterstadt.de/si0057.php?__ksinr=5165
- Interessante Doku des ZDF zum Personalmangel in Kitas: https://www.zdf.de/video/reportagen/37-grad-104/37-kein-kinderspiel-100
Diese Kampagnenseite wird betrieben von der SPD Weiterstadt. Verantwortlich ist die SPD Fraktion Weiterstadt, vertreten durch den Vorsitzenden Benjamin Gürkan, Riedbahnstraße 6, 64331 Weiterstadt. Infos zum Datenschutz. Impressum.