SPD-Fraktion kritisiert Pläne von CDU, ALW-Grüne und FDP als unausgereift und startet Unterschriftensammlung
Die SPD-Fraktion Weiterstadt kritisiert die Pläne der neuen Kooperation aus CDU, ALW-Grüne und FDP, in drei sogenannten Schwerpunkt-Kitas die Betreuungszeiten auszuweiten. Aus Sicht der SPD fehlt dafür bislang ein tragfähiges Gesamtkonzept. Insbesondere sei nicht geklärt, woher das zusätzliche Personal kommen soll, wie verlässliche Dienstpläne organisiert werden können und welche Auswirkungen das Modell auf die übrige Kita-Landschaft in Weiterstadt hätte.
„Wir verstehen den Wunsch einiger Eltern nach längeren Betreuungszeiten sehr gut. Aber längere Öffnungszeiten auf dem Papier betreuen kein einziges Kind. Wer mehr Betreuung verspricht, muss zuerst sagen, wer diese Betreuung leisten soll“, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Benjamin Gürkan. Unter dem Motto „Erst mehr Personal, dann längere Betreuungszeiten“ startete die SPD deshalb eine Online-Unterschriftensammlung unter www.mehr-demokratie-leben.de
Nach Auffassung der SPD droht das vorgeschlagene Modell neue Probleme zu schaffen. Wenn nur einzelne Kitas längere Zeiten anbieten, entstehe Konkurrenz zwischen den Einrichtungen. Eltern könnten unter Druck geraten, ihre Kinder in eine andere Kita wechseln zu lassen. Auch für Beschäftigte könnten einzelne Einrichtungen durch längere Dienstzeiten unattraktiver werden. Damit würde der Fachkräftemangel nicht gelöst, sondern verschärft.
Eine kürzlich durchgeführte Befragung unter den Mitarbeitenden, die auch bei der Ausschusssitzung am 15.6. vorgestellt werden soll, bestätigte die Stabilisierung durch die Reduktion der Betreuungszeiten. Statt 235 Notfallpläne im Jahr 2024 gab es nach der Reduktion der Betreuungszeiten um eine Stunde nur noch 119 Notfallpläne im Jahr 2025. Außerdem erklärten einige Mitarbeitende, dass eine Erweiterung der Betreuungszeiten ohne zusätzliches Personal ein möglicher Kündigungsgrund wäre.
„Wir sind auch für längere Betreuungszeiten. Aber gute Kita-Politik muss ehrlich sein. Erst braucht es mehr Personal, bessere Fachkräftegewinnung, faire Arbeitsbedingungen und ein Gesamtkonzept für alle Weiterstädter Kitas. Dann kann verantwortungsvoll über längere Betreuungszeiten gesprochen werden, nicht umgekehrt“, so die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Anna Borie, die selbst Mutter von drei kleinen Kindern und Kita-Elternbeirätin ist.
Die SPD Weiterstadt ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die Unterschriftensammlung zu unterstützen. Ziel sei es, deutlich zu machen, dass Kita-Politik nicht mit Schnellschüssen funktionieren könne, sondern Verlässlichkeit für Kinder, Eltern und Beschäftigte brauche.