Die kürzliche Konstituierung der drei Fachausschüsse der Weiterstädter Stadtverordnetenversammlung verlief ohne Überraschungen. Die CDU stellt nun den Vorsitz in zwei von drei Ausschüssen, darunter dem wichtigsten Ausschuss. Letzteres ist der Haupt-, Finanz-, Sozial- und Kulturausschuss. Die SPD kritisiert hier gleich mehrere Punkte am Zuschnitt. Der eigenständige Ausschuss für Soziales, Sport und Kultur wurde von der neuen Kooperation von CDU, ALW-Grüne und FDP komplett abgeschafft. Die sozialen und kulturellen Themen wurden dem Haupt- und Finanzausschuss zu- und damit faktisch untergeordnet. „Das ist ein völlig fatales Signal“, kritisiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Benjamin Gürkan. Der Sport taucht namentlich gar nicht mehr auf, ebenso die Digitalisierung. „Die Kooperation zeigt damit sehr deutlich, welche Themen für sie offensichtlich keine Priorität haben“, so die neue SPD-Stadtverordnete Anna Borie. Folgerichtig hat sich die SPD daher auch dafür entschieden, im Haupt-, Finanz-, Sozial- und Kulturausschuss keine zweite Stellvertretung des Vorsitzes zu übernehmen.
Gleiches gilt ebenfalls aus inhaltlichen Gründen für die Ausschüsse für Stadtentwicklung, Umwelt und Mobilität sowie den für Immobilien, Nachhaltigkeit, Natur- und Klimaschutz. Bei letzterem ist erstaunlich, dass hier ebenfalls die CDU den Vorsitz erhält. ALW-Grüne betonen seit Jahren, wie wichtig ihnen der Natur- und Klimaschutz angeblich ist. Jedoch war dieser offenbar ALW-Grüne wiederum nicht wichtig genug, um hier auch selbst den Ausschussvorsitz zu übernehmen. „Das ist für uns völlig unverständlich“, betont das SPD-Ausschussmitglied Yusuf Zeyrek. Eine Zusammenlegung dieser beiden Ausschüsse wäre zudem inhaltlich sinnvoll gewesen, wurde aber von der Kooperation abgelehnt. Beim Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Mobilität zeichnet sich zudem inhaltlich eine völlig falsche Prioritätensetzung ab. Das Projekt Apfelbaumgarten II wird verschoben und soll deutlich geschliffen werden. „Das geht zu Lasten der Menschen, die dringend bezahlbaren Wohnraum suchen“, so der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Koch. Diese Verschiebung deckt sich zwar mit der Einschätzung von Bürgermeister Niklas Gehnich, der die Suche nach bezahlbarem Wohnraum in Weiterstadt laut aktuellem Interview für kein großes Problem hält. Die Realität im gesamten Rhein-Main-Gebiet und damit auch in Weiterstadt spricht jedoch sehr eindeutig eine andere Sprache. „Die SPD ist in Weiterstadt inzwischen leider der einzige politische Akteur, der sich konsequent für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums einsetzt“, so die SPD-Stadtverordnete Iris Gürtler.
Der SPD macht zudem Sorge, dass der für den Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Mobilität inhaltlich zuständige Fachbereich 3 der Stadtverwaltung derzeit laut aktuellem Organigramm der Stadt Weiterstadt vom 1. Mai 2026 komplett führungslos ist. Beim Amtsantritt des neuen Bürgermeisters am 1. Januar 2026 war die Führungsebene dieses Fachbereichs im damaligen Organigramm der Stadt Weiterstadt noch voll besetzt, sowohl Leitung als auch Stellvertretung. Daher stellt sich ganz grundsätzlich die Frage, ob und in welchem Tempo die Projekte überhaupt noch weitergehen können, welche von diesem Fachbereich  bearbeitet werden.