Rund 45 Gäste diskutierten auf Einladung der SPD Weiterstadt über die Zukunft des Weiterstädter Modells. Bildungsexperte Dieter Assel warnt vor einer Abgabe der Grundschulkindbetreuung an den Landkreis.
Mit rund 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist die neue Gesprächsreihe „Reden wir?!“ der SPD Weiterstadt am vergangenen Dienstag, 20. Oktober, erfolgreich gestartet. In der Gaststätte Elena in Braunshardt stand die Zukunft der Grundschulkindbetreuung im Mittelpunkt. Unter den Gästen waren zahlreiche interessierte Eltern, pädagogische Fachkräfte sowie die Initiatoren der aktuell laufenden Petition zum Erhalt des Weiterstädter Modells. Durch den Abend führten der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Alexander Koch und der SPD-Fraktionsvorsitzende Benjamin Gürkan.
Als Hauptgast begrüßte die SPD Dieter Assel, den ehemaligen Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Bildung der Stadt Weiterstadt. In seinem ebenso fachkundigen wie anschaulichen Vortrag zeichnete Assel die Entstehung und Entwicklung des Weiterstädter Modells nach und erläuterte dessen besondere pädagogische und strukturelle Vorteile. So ist das Weiterstädter Modell und die gesamte Bildungslandschaft in Weiterstadt Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses und setzt bis heute bundesweit Maßstäbe in der Verknüpfung von Bildung und Betreuung aus einer Hand.
Dieter Assel machte deutlich, dass eine Übertragung der Grundschulkindbetreuung an den Landkreis aus rein finanziellen Erwägungen der falsche Weg wäre. Gute Bildung und Betreuung kosteten nun einmal Geld, seien aber zugleich eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft einer Gesellschaft. In der anschließenden, lebhaften Diskussionsrunde beantwortete Assel zahlreiche Fragen der Gäste. Dabei wurde deutlich, wie groß die Verunsicherung bei vielen Eltern und Betroffenen angesichts der Pläne der Jamaika-Kooperation aus CDU, ALW-Grünen und FDP ist.
Benjamin Gürkan erläuterte zudem das weitere parlamentarische Verfahren und zeigte auf, welche Möglichkeiten den Bürgerinnen und Bürgern bleiben, um Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen. Sollte die laufende Petition keinen Erfolg haben und die Stadtverordnetenversammlung die Abgabe der Grundschulkindbetreuung tatsächlich beschließen, komme unter den entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen auch ein Bürgerbegehren als weiteres demokratisches Instrument in Betracht.
„Die Zukunft unserer Grundschulkindbetreuung ist zu wichtig, um sie allein unter Haushaltsgesichtspunkten zu betrachten. Wir haben in Weiterstadt über Jahrzehnte ein bewährtes Modell aufgebaut, das wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Menschen einbringen und ihre Stimme erheben“, betonte Alexander Koch. Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung gegen 21 Uhr wurde in kleineren Gruppen weiterdiskutiert. Zahlreiche Gäste bedankten sich ausdrücklich für die Gelegenheit zum offenen Austausch und die fundierten Informationen.
Für die SPD Weiterstadt war der Auftakt ein voller Erfolg. „Genau darum geht es bei unserem neuen Format: Wir wollen nicht nur über die Menschen und ihre Anliegen sprechen, sondern vor allem mit ihnen. Offen, sachlich und auf Augenhöhe“, erklärte Alexander Koch. Die Gesprächsreihe „Reden wir?!“ soll künftig regelmäßig stattfinden und unterschiedliche kommunalpolitische sowie gesellschaftliche Themen aufgreifen. Die SPD Weiterstadt freut sich bereits auf die nächste Veranstaltung.